Weiterhin viel Flexibilität bei Geschäftsinhabern gefragt

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Andrea Gotta vom gleichnamigen Blumenstudio bringt die Ware für ihre Kunden derzeit an die Tür. (Foto: PS)

Abholservice kann helfen, die Corona-Einnahmeverluste zu verringern, ist aber kein Allheilmittel

Rödermark (PS) – Die Einzelhändler leiden auch im zweiten Lockdown. Viele Geschäfte müssen seit Mitte Dezember für die Kunden geschlossen bleiben. Alternativangebote – Stichwort „Click & Collect“ – helfen im günstigen Fall, Einnahmeverluste zu verringern. Kunden stöbern online, bestellen per Mail oder Telefon und holen die ausgesuchte Ware unter Einhaltung der Corona-Hygieneregeln am Laden ab.
Auch Michael Rumpf, der am Urberacher Märktezentrum und in Groß-Umstadt zwei Intersport-Profimärkte betreibt, bietet die Möglichkeit, Ware am Geschäft abzuholen. Allerdings mehr als Service für seine Kunden, denen er die Artikel am Fenster hinausreicht. Die großen Umsatzausfälle kann Rumpf, der unter anderem großen Wert auf individuelle und kompetente Beratung in seinen Geschäften legt, damit nicht ansatzweise ausgleichen. „Das Weihnachts- und Wintergeschäft fehlt uns schon brutal“, sagt Rumpf. Da würden auch die staatlichen Hilfen nur bedingt helfen. Am 14. Dezember musste er mitten im Weihnachtsgeschäft schließen, schon im ersten Lockdown im Frühjahr traf es eine umsatzstarke Zeit.
Derzeit ist Rumpf allein im Laden, seine zwölf Mitarbeiter in Urberach und Groß-Umstadt sind in Kurzarbeit. Die Umsätze mit den Winterartikeln hätte er auch zur Finanzierung der kommenden Sommerware benötigt. Daher stehen jetzt unter anderem Telefonate mit Lieferanten an, auch um die Zahlungsziele nach hinten zu verschieben. Wobei die Lieferanten, um die Situation ihrer Kunden wissend, das teilweise schon selbst anbieten. Immerhin ist absehbar, dass manche Hersteller im kommenden Winter auf die Auflage einer neuen Kollektion weitgehend verzichten werden und die Ware daher noch „aktuell“ bleibt. Für die Nach-Corona-Zeit ist Rumpf, der die beiden Intersport Profimärkte vor vier Jahren übernommen hatte, trotz aller Schwierigkeiten auch vorsichtig optimistisch. Der promovierte Sportwissenschaftler, der unter anderem in Neuseeland, den USA und in Katar für Verbände und im Fußballbereich tätig war, ist trotz der schwierigen Zeiten recht zuversichtlich, dass es mittel- und langfristig gut weitergeht.
Frühestens Anfang März rechnet Michael Rumpf damit, die Kunden auch wieder in den Laden lassen zu dürfen. Wenn wieder geöffnet werden kann, dann sieht sich Rumpf bestens gerüstet, die Vorgaben einzuhalten. Das sei bereits nach dem ersten Lockdown dank der großzügigen Räumlichkeiten kein Problem gewesen. 780 Quadratmeter Verkaufsfläche sind es in Urberach, in Groß-Umstadt nicht viel weniger. Da könne man problemlos Abstand halten für einen gefahrlosen Einkauf.
Andrea Gotta vom Blumenstudio Andrea am Ober-Röder Marktplatz steht mit ihren Mitarbeiterinnen zu den auch sonst üblichen Öffnungszeiten im Laden. Die Kundschaft wird derzeit aber davor bedient: Klingeln, Blumen von draußen im Schaufenster aussuchen, dann wird die Ware heraus gereicht. Dieses Prozedere hatte sich bereits im ersten Lockdown im Frühjahr bewährt. Und auf dieses Konzept greift Andrea Gotta mit ihrem Team nun erneut zurück, auch wenn Blumenläden im Gegensatz zu anderen Geschäften grundsätzlich für den Publikumsverkehr öffnen dürfen.
Damit es bei der Auswahl der Ware zu keinen Missverständnissen kommt, kriegt übrigens mittlerweile jeder Strauß eine Nummer. „Davor war das ein ziemliches Rumgedeute“, erinnert sich Andrea Gotta. Neben „Blumen to go“ sind natürlich auch telefonische Bestellungen und Lieferungen möglich. Den pandemiebedingten Umständen entsprechend ist Andrea Gotta recht zufrieden. Die Geschäfte würden ganz gut laufen, auch wenn man natürlich nicht auf die Einnahmen „normaler“ Jahre komme. Einnahmen von Hochzeiten und weiteren Familienfeiern fehlen beispielsweise weitgehend.
Speziell in der Anfangszeit der Pandemie sei die Unsicherheit groß gewesen, etwa mit Blick darauf, was beim Verkauf erlaubt ist. Nachdem im vergangenen Frühjahr die Eingangstür zur Ausgabeluke umfunktioniert und kontaktloser Verkauf möglich wurde, kam die Kundschaft wieder zu frischen Blumen. Als der Bürgermeister der Erste war, der den Facebook-Beitrag mit einem „Gefällt mir“ markierte, haben man immerhin gewusst, „dass so verkehrt nicht sein kann“, erinnert sich Andrea Gotta mit Blick auf die vielen neuen Vorschriften schmunzelnd. Schwieriger als früher ist auch der Einkauf auf dem Großmarkt, da die Ware nicht immer in dem Umfang von Vor-Corona-Zeiten verfügbar ist. Ein großer Dank von Andrea Gotta geht an die vielen treuen Kunden. Da auf die Einhaltung der Abstände geachtet wird, reichte die Schlange etwa an Ostern und am Muttertag bis zum „Mortsche“.
„Mode muss man anfassen können. Das kommt auf Fotos nicht so rüber“, sagt Nicole Dreher von der Hosenfabrik Dreher in der Otzbergstraße in Ober-Roden. „Einkauf ist auch Erlebnis.“ Dieses Erlebnis bleibt derzeit weitgehend auf der Strecke. Seine Stärken, die bei dem Modehaus unter anderem in der kompetenten Beratung im Geschäft liegen, kann das Dreher-Team momentan nur bedingt ausspielen. Schließlich darf man die Kunden nicht herein lassen, sondern nur einen Hol- und Bringservice anbieten.
Bei einer großen Auswahl an Damen- und Herrenbekleidung können die Dreher-Kunden derzeit durchaus ein Schnäppchen machen. Es wird 40 Prozent Rabatt auf das gesamte Sortiment gewährt. Das Interesse ist dennoch derzeit gering, so Nicole Dreher. Weil man die Kundschaft eben nicht direkt vor Ort im Modehaus beraten darf. Wenn der Kunde etwas nicht dringend brauche, dann warte er oft ab, bis das Geschäft wieder öffnet.
In normalen Zeiten fährt Klaus Dreher, Geschäftsführer von Hosen Dreher, mit einem Transporter voller Bekleidung auch selbst zu Verkaufsveranstaltungen durch die Lande. Einen besonderen Namen hat das Modehaus vor allem für sein Hosensortiment. Während früher selbst produziert wurde, hat man sich heute überwiegend auf Markenmode führender Hersteller spezialisiert. Generell sei es eine schwierige Situation für den Einzelhandel, sagt Klaus Drehers Schwester Schwester Nicole. Dass in der zweiten Februarhälfte das Geschäft wieder geöffnet werden kann, glaubt Dreher nicht. Das deckt sich mit den jüngsten Verlautbarungen der Politiker. Zumindest für den März machen sich die Drehers leise Hoffnungen. Man sei für jeden Tag dankbar, den man öffnen könne.
Viel Flexibilität ist derzeit also gefragt, die bewies man bei der Hosenfabrik Dreher unter anderem im ersten Lockdown im Frühjahr, als man auf die Idee kam, Masken zu nähen. Die gingen nicht nur unter der Kundschaft weg, wie die berühmten warmen Semmeln, sondern wurden auch an Firmen verkauft.

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